Stadt "exportiert" Know-how nach Chile

Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück versteht sich als kommunaler Botschafter des Mittelstandes in der Energiewende und kann von sich behaupten, Energie- und Klima-Know-how inzwischen auch in andere Länder zu "exportieren". "Das Interesse an unseren kommunalen Aktivitäten im Rahmen der Energiewende und des Klimaschutzes besteht deutschlandweit und auch international", berichtet der städtische Klimamanager Daniel Willeke.

Einen Beweis dieser Aussage gab es am Dienstag, als sich eine Delegation aus Chile im Stadtgebiet umsah. Schwerpunkt und Stationen waren dabei das Transfer- und Transformationszentrum Brikettfabrik "Louise", die Eigenentwicklung der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, ein Firmenrundgang bei der Uesa GmbH, der Windpark Uebigau, die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden am Markt in Uebigau und deren Wärmeversorgung. Großes Interesse bei den chilenischen Gästen bestand auch bei den kommunalen Themen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung, Gebäude- und Energiemanagement sowie der damit verbundenen nachhaltigen Wirtschaftsförderung.

Zur chilenischen Delegation, die eine Woche in Deutschland unterwegs ist und auch den energieautarken Ort Feldheim, das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und Automatisierung, verschiedene Unternehmen für Energielösungen und die Hannover-Messe besucht, gehörten Kommunal-, Bildungs- und Wirtschaftsvertreter sowie Vertreter des Energieministeriums des südamerikanischen Landes. Einer von ihnen war Marcelo Villagrán, Rechtsanwalt in einem Beratungsunternehmen. "Erneuerbare Energien sind in unserem Land die Zukunft", ist er überzeugt. Sonne und Wind rücken immer mehr in das Blickfeld, in "das neue Land, das noch viel lernen muss. Deshalb bin ich nach Deutschland gekommen. Ich möchte sehen, wie man welche Energieprojekte anpacken kann. Es geht darum, Partnerschaften zu knüpfen, neue Technologien und Innovationen kennenzulernen und sie dann bei uns in Chile zur Anwendung bringen", sagt Villagrán.

Interessiert folgten alle Gäste den Ausführungen von Bürgermeister Andreas Claus. Der kann nach mehr als zehnjähriger Arbeit auf dem Gebiet der Energiewende, des Klimaschutzes und nun auch der Klimafolgenanpassung viel berichten. Er gab den Südamerikanern mit auf den Weg, dass es wichtig sei, im Prozess die Menschen vor Ort mitzunehmen und auf Kooperationen mit Vereinen, Institutionen, Universitäten und regionalen Unternehmen zu bauen. Im Transfer- und Transformationszentrum der Domsdorfer Brikettfabrik "Louise" zeigte Claus theoretisch und untermauert mit zahlreichen Bildern auf, wie man in Uebigau-Wahrenbrück von der alten Energie zu den neuen (erneuerbaren) Energien findet. Ein guter Ansatz insbesondere auch für Villagrán: "Der Bergbau hat in unserem Land keine Zukunft mehr. Immer mehr Menschen verlieren ihre Arbeit. Für sie gilt es, eine neue Perspektive aufzumachen", sagte der Chilene und hört aufmerksam zu, was er von der kleinen deutschen Stadt vielleicht lernen kann.


Quelle: Lausitzer Rundschau / Herzberg (28.04.2017)

Drucken