Ökostrom an der Louise tanken

Trotz der mehr oder weniger starken Anstrengungen der Automobilkonzerne, der staatlichen Förderung und der Überzeugungsarbeit kommt die Elektromobilität nicht in die Gänge. Zu hohe Preise, zu geringe Reichweiten und ein in der Fläche zu grobmaschiges Netz von Ladestationen schrecken die meisten Interessenten ab. Noch! Ausgerechnet die kleine Stadt Uebigau-Wahrenbrück, bereits mit dem höchstdotierten Klimapreis des Bundesumweltministeriums ausgezeichnet und Initiatorin der im September 2016 am technischen Denkmal Brikettfabrik Louise in Domsdorf aufgestellten Stromtankstelle, übernimmt im Landkreis Elbe-Elster eine Vorreiterrolle.

Vor ihr liegt viel Arbeit. Zwischen Schönewalde, Mühlberg, Großthiemig und Finsterwalde werden auf Internetsuchportalen nur drei öffentliche Stromtankstellen genannt: an der Sparkasse in Finsterwalde, am Mitsubishi-Autohaus Thiemig in Elsterwerda und bei Elektrische Antriebssysteme in Falkenberg. Hinzu kommen E-Tankstellen bei Firmen und Verwaltungen. Angesichts der laut Kreisverwaltung aktuell lediglich 39 zugelassenen reinen Elektrofahrzeuge in Elbe-Elster scheint dies auch auszureichen. Aus Sicht der Strombefürworter beißt sich die Katze hier sprichwörtlich in den Schwanz: Wer investiert in Stromtankstellen, wenn es kaum Fahrzeuge gibt? Und wer kauft sich ein Elektroauto, wenn es kaum Tankstellen gibt? Einer muss also vorangehen.

Andreas Claus, Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück, macht es mit seiner Mannschaft. "Wir hoffen, dass wir nicht Einzelkämpfer bleiben, sondern andere mitziehen können", glaubt er fest daran, dass das Verbrennen wertvoller fossiler Rohstoffe in Fahrzeugen ein absehbares Ende haben wird. "Unser Ziel ist es, dass in unserem Landkreis flächendeckend Ladestationen für Fahrzeuge und Fahrräder aufgestellt werden", so Andreas Claus.

Wer auf dem Besucherparkplatz der Brikettfabrik Louise Strom tankt, handelt naturfreundlich. Denn dort gibt es jetzt nur noch zertifizierten Ökostrom. Diesen liefert der regionale Energieversorger enviaM. Der Strom kommt, das versichert Thomas Herold vom Vertrieb, aus eigenen Wasserkraftwerken. Der Stadt, die die Stromrechnung für die Tankenden noch begleicht, wird die Kilowattstunde mit etwa 24,9 Cent (netto) berechnet. Wie hoch die Rechnung seit der Inbetriebnahme ist, weiß Daniel Willeke, Klimaschutzmanager der Stadt, noch nicht. Die erste Abrechnung steht aus. Fest stehe, dass die Station kein Öko-Alibi sei.

Das hat Michael Pötzsch bei der gestrigen Ökozertifikats-Übergabe getestet. Der Inhaber der Compec Büroelektronik aus Bad Liebenwerda hat seinen Wagen, einen voll elektrischen Tesla, Modell S, Baujahr 2015, an die Steckdose gekoppelt. Blinkende, grüne Leuchtdioden am "Tankstutzen" signalisieren, dass geladen wird. Den Ladezustand sowie auch andere Funktionen, bis hin zur Ortung, kann Michael Pötzsch auf seinem Smartphone überwachen und steuern.

Ein Zurück zum Verbrenner scheint es für den Geschäftsmann nicht mehr zu geben: "Mit diesem Wagen bin ich mehr gefahren als mit jedem anderen zuvor." Bislang mehr als 20 000 Kilometer jährlich. "Und das ohne Probleme und mit null Werkstattkosten", ist er von seinem sportlichen Stromer überzeugt. Mit dem eingebauten 60-kW-Batteriepaket (es gibt leistungsstärkere) kommt er 300 Kilometer weit, im Winter etwas weniger. Dank der rund 3500 Tesla-Supercharger (Schnellladestationen) in Europa habe er nie Angst, irgendwo stehen zu bleiben. Von Wasserstofffahrzeugen hält er nicht viel. Diesen Stoff könne man im Gegensatz zum Ökostrom nicht selber herstellen und mache sich damit abhängig von monopolistischen Anbietern.

Mit einem elektrischen Renault Zoe ist Thomas Lehmann, Geschäftsführer von Lehmann-Automobile in Elsterwerda und Herzberg, nach Domsdorf gekommen. Seit drei Jahren bietet er die Stromer an. Er spricht von einer leicht steigenden Verkaufstendenz und ist überzeugt, dass den meisten Arbeitspendlern das im Unterhalt deutlich günstigere E-Auto vollkommen ausreicht.


Quelle: Lausitzer Rundschau / Herzberg (15.03.2017)

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