Wenn's Wetter wieder verrücktspielt - Uebigau-Wahrenbrück arbeitet am Plan B

In Uebigau-Wahrenbrück wird Denkarbeit geleistet. Nämlich in der Art, was alles zu beachten und zu tun ist, wenn das Wetter aufgrund von Klimakapriolen wieder mal verrückt spielt und wie bestimmte Zielgruppen darauf vorbereitet werden müssen. Dass andere Kommunen sich was abschauen und weiterdenken, ist grundsätzlich erwünscht.

Sabine Falk, 28 Jahre und frisch von der Uni-Schulbank, wo sie Wasser-, Umwelt- und Küsteningenieurswesen studiert hat, ist das neue Gesicht in der Verwaltung der Stadt Uebigau-Wahrenbrück und verantwortlich für das auf zwei Jahre ausgeschriebene Projekt "Zielgruppenorientierte Bildungsmodule zur Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen in Flusseinzugsgebieten". Die Personalkosten für die befristete Stelle werden zu 95 Prozent vom Umweltministerium des Bundes bezuschusst.

Bürgermeister Andreas Claus (parteilos) hat sich, als er die Zustimmung der Abgeordneten einholte, anhören müssen, dass das keine Aufgabe ist, der sich eine Kommune stellen müsse. Doch den Einwand lässt er nicht gelten. Angesichts des Klimawandels und der vielen Wetterkapriolen, von Hochwasser über Starkregen bis hin zu Tornado und lange Trockenzeiten, die in den vergangenen Jahren auch im Elbe-Elster-Land wüteten, sieht er Handlungsbedarf – insbesondere vor Ort und in der Kommune. Jemand anderes würde die Arbeit nämlich nicht leisten, argumentiert er. Allein Deichsanierung, wenn sie denn erfolgt, sei nicht die Lösung des Gesamtproblems. Es braucht einen Plan B für den Fall, dass das Wetter wieder mal verrückt spielt.

Genau den soll nun Sabine Falk austüfteln. Ihre Aufgabe in den nächsten 24 Monaten ist es, jedwede Vorsorge zu treffen, dass die "Chaosphase", die bei Stark regen, Hochwasser oder anderen Klimaereignissen das Leben in der Stadt erst einmal lähmt und völlig aus der Bahn wirft, so kurz wie möglich gehalten und schnell zur Selbsthilfe geeilt werden kann. Die junge Frau soll, wie es die Projektbeschreibung sagt, zielgruppenorientierte Bildungsmodule erarbeiten. Beispielsweise für die Kameraden der Feuerwehr, für die ehrenamtlichen Deichläufer, für Helfer, für Verwaltungsmitarbeiter, die in solchen Zeiten in Krisenstäben agieren. Man müsse solche Situationen trainieren. Aber noch gebe es dafür kein Lehrbuch. In Uebigau-Wahrenbrück würde ab jetzt daran geschrieben – nutzbar selbstverständlich auch von allen anderen, die darauf zurückgreifen wollen, berichtet Andreas Claus.

Deshalb heißt es für Sabine Falk nun Fakten und Informationen sammeln, was in der Region gebraucht wird, Basismaterial aufarbeiten, strukturieren und das mit den "Zielgruppen" trainieren. Bestenfalls sollen sie sich danach "sicherer" fühlen. "Ich habe mich schon seit Jahren mit dem Klimawandel beschäftigt. Ich kann auf gute Netzwerke bauen, habe Erfahrung im Zusammenarbeiten mit Ehrenamtlichen, bin fit, was Moderation und Projektmanagement betrifft. Insofern freue ich mich auf die Arbeit und die Herausforderung", sagt die Projektverantwortliche. Sie packt gemeinsam mit dem Klimamanager von Uebigau-Wahrenbrück, Daniel Willeke, ein erstes konkretes Vorhaben an: Für nächstes Jahr soll eine "Regionale Ideen- und Kooperationsbörse zur Klimaanpassung" vorbereitet werden.

Quelle: Lausitzer Rundschau / Herzberg (29.09.2016)

Drucken